Künstlerpostkarten aus dem Taunus
Künstlerpostkarten aus dem Taunus
Kurz-Geschichte
Künstlerpostkarten aus dem
Taunus und seinen Städten
Sie sind uns so selbstverständlich wie das Telefon oder Briefmarken - Postkarten. Ein netter Gruß aus dem Urlaub mit Bildern von Sonne, Strand und Meer oder einer fremden Stadt erfreut jeden. Fotografien zieren heute zumeist eine Seite der Karten, doch vor rund 100 Jahren gab es noch eine besondere Spezialität: von Künstlern gefertigte Landschafts- und Stadtansichten. Viele ihrer Motive fanden die Künstler im Taunus.
1880, nur elf Jahre nach der offiziellen Einführung der „Correspondence-Karte“, wurde die erste Künstlerpostkarte verschickt. Man schreibt sie dem Kronberger Maler Philipp Frank zu, der sie mit dem Aquarell „Kinderbegräbnis in Kronberg“ versah. Viele Künstler übernahmen seine Anregung, populärer als die Original-Kunstwerke wurden jedoch nach Vorlagen gedruckte Karten - spätestens seitdem der Münchner Verleger Ackermann 1896 eine Serie von Reproduktionen Münchner Maler herausgebracht hatte. Es wurden Aquarelle, Ölgemälde und Federzeichnungen verwendet und bisweilen arbeiteten die Künstler sogar unmittelbar auf der Druckplatte.
Viele Karten wurden von namhaften regionalen Künstlern, vielfach aus der Kronberger Malerkolonie, aber auch von unbekannten und anonymen Kunstmalern geschaffen.
Zu den qualitätsvollsten unter den Künstlerkarten gehören die Taunus-Serien von Eberhard Quirin (1864-1951, Bad Homburg). Seine Minikunstwerke in leuchtenden Aquarellfarben, mosaikartig oder mit großzügiger Pinselführung angelegt, zeigen den Taunus als reine Landschaft. Es sind stille Winkel und abwechslungsreiche Ansichten zu sehen - so weit das Auge reicht. Felder, Wald und Wiesen wechseln sich ab, Bäume bilden Staffagen. Es lassen sich winzige Menschen und Autos entdecken.
Mit der Einweihung des Aussichtsturmes auf dem Feldberg im Jahr 1902 gewann die höchste Erhebung des Taunus an Attraktivität für Ausflügler, Wanderer und Wintersportler - und damit auch für die Darstellung auf Postkarten. Zahlreiche Kunstmaler lieferten die schönsten Ansichten: aus der Vogelperspektive, Stimmungsbilder zu verschiedenen Jahreszeiten, dichter Wald und scheue Tiere.
Natürlich wurden auch die Taunus-Burgen festgehalten. Georg Ludwig Rothgeb zum Beispiel wählte dafür expressive Farben, während Karl Ernst Freiherr von Sohlern in lichten und zarten Farben poetische Kunstwerke im Miniformat schuf.
Ab 1890 gab es die ersten Ansichtspostkarten mit Motiven von den Ausgrabungen des römischen Kastells Saalburg zu kaufen. Und nach der Grundsteinlegung zum Wiederaufbau im Jahr 1900 durch Kaiser Wilhelm II. erhielten Künstler aus Frankfurt und Berlin Aufträge. Nach dem Wunsch des Kaisers setzten sie vielfach vergangenes römisches Leben bildhaft um, dokumentierten aber auch den Ruinen-Zustand und das Wiedererstehen des Kastells. Über die Entwürfe entschied an erster Stelle Wilhelm II. höchstpersönlich und danach Baurat Louis Jacobi als Baumeister und Archäologe.
Das nahe Bad Homburg, kaiserliche Sommerresidenz und Kurbad von Weltrang, hatte um 1900 einen großen Bedarf an Ansichtspostkarten. Homburger Kunstmaler stritten sich mit Nicht-Homburgern um die Vormacht im Postkartengeschäft. Eine Vielzahl von Künstlerpostkarten mit Gesamtansichten und Einzeldarstellungen ist von Bad Homburg überliefert.
Taunus-Maler verschlug es auf der Suche nach Motiven auch nach Oberursel. Zu ihnen gehören die beiden bekannten Kunstmaler Ferdinand Balzer und Otto Flecken. Mit Liebe zum Detail hielten sie die romantischen Winkel, die beschauliche Kleinstadtidylle und ruhige Alltagsszenen fest. Königstein schließlich zeigt sich am liebsten mit der Burg und, in gebührendem Abstand, dem Taunus als Kulisse.




