Museum Kronberger Malerkolonie
Museum Kronberger Malerkolonie
Streitkirche 1. Stock
Tanzhausstraße 1
61476 Kronberg
Telefon (06173) 929490, Telefax 929491
Internet www.kronberger-maler.de
Haltestelle: Kronberg (Taunus), Schillerstraße
Öffnungszeiten
Mittwoch 15.00 Uhr - 18.00 Uhr, Samstag und Sonntag 11.00 Uhr - 18.00 Uhr. Führungen sind nach Anmeldung möglich. Eintritt: 2,50 Euro.
Details
Kronberg als Künstlerdorf
Seit 2002 gibt es in der historischen Streitkirche das Museum Kronberger Malerkolonie. Die Ausstellung zeigt ein repräsentatives Spektrum der Werke der Kronberger Künstlerkolonie, die zu den bedeutendsten deutschen Malerkolonien des 19. Jahrhunderts zählt. Sie hatte ihre Blütezeit von den 1850er Jahren bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts. Zu ihren Gründern zählen Anton Burger und Jakob Fürchtegott Dielmann.
Das idyllische Kronberg bot einigen Frankfurter Malern die Gelegenheit, abseits von Großstadt und beginnender Industrialisierung in der Natur zu malen und sich damit auch von überkommenen akademischen Regeln zu lösen. In ihrer Frühzeit war die Kolonie damit ein Ort künstlerischer Avantgarde. Mit Nelson Kinsley und Fritz Wucherer starben in den 1940er Jahren die beiden letzten, direkt zur Malerkolonie gehörenden Künstler.
Trägerin des Museums ist die Stiftung Kronberger Malerkolonie, die 2001 gemeinsam von der Museumsgesellschaft Kronberg und der Stadt gegründet wurde. Zur Sammlung der Stiftung gehören mehr als 300 Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Briefe der Kronberger Maler. Die Streitkirche bietet Raum für Wechselausstellungen und begleitende Veranstaltungen wie Vorträge und Konzerte.
Der Ort der musealen Kunstpräsentation hat selbst eine bedeutende Geschichte. Die Streitkirche wurde im 18. Jahrhundert direkt neben der evangelischen Stadtkirche errichtet, was zu heftigen Protesten führte, die bis vor den Regensburger Reichstag gelangten. Als Kirche wurde der Bau nie genutzt. Ab 1768 diente die Streitkirche endgültig zivilen Zwecken, im 19. Jahrhundert als Gasthaus und Apotheke.
Übrigens, wussten Sie schon...
... dass einst eine englische Prinzessin und deutsche Kaiserin von den Mitgliedern der Malerkolonie Malunterricht erhielt?
...dass sich das Museum Kronberger Malerkolonie in den ehemaligen Wohnräumen eines wichtigen Kronberger Mäzens der Maler befindet?
...dass die Museumsgesellschaft Kronberg eine bislang zehn Bände umfassende Schriftenreihe über die Kronberger Maler herausgegeben hat?
Die Kronberger Künstlerkolonie
Die Kronberger Künstlerkolonie gehört zu den bedeutenden deutschen Malerkolonien des 19. Jahrhunderts. Von ihrer Entstehung in den 1850er Jahren bis zu ihrem Niedergang Anfang des 20. Jahrhunderts lebten und arbeiteten etwa 60 Künstlerinnen und Künstler zum Teil ständig in Kronberg. 1858 ließ sich Anton Burger und wenig später Jakob Fürchtegott Dielmann dauerhaft in Kronberg nieder. Bereits in den 1840er Jahren hatten einige Frankfurter Künstler, die meisten von ihnen studierten am Städel bei Jakob Becker Malerei, das idyllisch gelegene Kronberg für sich entdeckt. In den Sommermonaten verweilten sie im Taunus und fanden in Gasthäusern wie dem "Adler" oder dem "Frankfurter Hof" eine Bleibe. Einige von ihnen mieteten zunächst meist in der Altstadt gelegene Wohnungen und Ateliers, bis sie sich schließlich ab den 1870er Jahren ein Häuschen kauften oder gar eine eigene Villa bauten.
Neben intensivem Arbeiten in den Ateliers und künstlerischem Austausch, neben der Jagd und Wanderungen durch den Taunus auf der Suche nach malerischen Motiven, neben dem geselligen Beisammensein in den Wirtshäusern und auf den Kegelbahnen der Umgebung, neben Theater- und Musikaufführungen, war in der Kolonie besonders der freundschaftliche Umgang zwischen den Malern wichtig.
Die Blütezeit der Kronberger Malerkolonie wurde 1894 mit folgenden Worten beschrieben: „...als er (Burger) später dort ansässig wurde, umgab ihn bald ein Kreis von Malern, Schülern und Schülerinnen. Die Werdenden schlossen sich ihm mit Begeisterung an, die Reiferen konnten sich dem anregenden Element der Burger’schen Natur kaum entziehen. Zu der frühesten Gruppe der Cronberger Malerkolonie zählten in erster Reihe Burger’s Freunde. ... Er (Burger) weiss, daß ihn lachfrohe, künstlerisch gesinnte Menschen umgaben, dass sie frohe, glänzende Feste gaben, an warmen Sommerabenden mit ihm im Freien sangen, gut und viel über Kunst und Leben mit ihm plauderten - und dass der Frohsinn auch beim Malen nicht ausging...“
In den 1850er Jahren fanden die Maler in Kronberg eine Welt, die sie in der Großstadt im Niedergang begriffen sahen. Kronberg war zu dieser Zeit tatsächlich noch weitgehend unberührt von den modernen Entwicklungen, entsprach also dem, was die Künstler suchten. Das Leben auf dem Lande erschien ihnen im Vergleich mit der immer hektischeren, dekadenten Großstadtwelt in der Zeit aufkommender Industrialisierung als unverfälscht und ursprünglich. Auch fanden sie hier eine Möglichkeit, ihr neues künstlerisches Selbstverständnis und ihre Kritik an den vorherrschenden akademischen Regeln zu verwirklichen. Damit war die Kronberger Kolonie in ihrer Frühzeit ein Ort der künstlerischen Avantgarde und - wie in vielen anderen Kolonien - ebneten die frühen Kronberger Künstler den Weg zu einer modernen künstlerischen Auffassung. Mit dem Zuzug wohlhabender Frankfurter Bürger seit den 1860er Jahren, vor allem der Kaiserwitwe Victoria von Preußen 1894, und dem Bau der Eisenbahnverbindung Kronberg - Rödelheim 1874 entwickelte sich Kronberg von einer zuvor agrarisch geprägten Kleinstadt zu einem von Villen umgebenen gesellschaftlichen Anziehungsort. Somit veränderten sich die Beweggründe der Maler, nach Kronberg zu kommen, und so mancher Maler interessierte sich jetzt eher für die höhere Gesellschaft als für die ländliche Abgeschiedenheit.
Für die erste Kronberger Malergeneration waren intime Landschaften und das einfache ländliche Leben zentrale Motive ihrer Malerei, während für die zweite Malergeneration mehr und mehr die künstlerische Form, das rein "Malerische" das Zentrum ihrer Bemühungen bildete. Diese Auffassung führte andernorts schließlich zur Auflösung des Gegenstandes - eine stilistische Entwicklung des beginnenden 20. Jahrhunderts, die von den Kronberger Malern allerdings nie vollzogen wurde. Mit den Burgerschülern Nelson Kinsley und Fritz Wucherer starben in den 1940er Jahren die beiden letzten, direkt zur Malerkolonie gehörenden Künstler.




