Vernissage Ausstellung Markus Seibel

Tipp
Ausstellung

Preisträger 2025 des mit 5.000 Euro dotierten und ausschließlich unter Studierenden der HfG Offenbach ausgeschriebenen Fotopreises ISO 5000 der Hans und Annemarie Weidmann-Stiftung ist Markus Seibel. Nachdem in den vergangenen Jahren vor allem künstlerisch ausgerichtete Positionen ausgezeichnet wurden, würdigt der Preis diesmal erstmals ein klassisch journalistisches Fotoprojekt. Der Titel ISO 5000 verweist auf den erweiterten Möglichkeitsraum der Fotografie, der über die Wahrnehmungsgrenzen des menschlichen Auges hinausreicht. Mit der Auszeichnung verbunden ist eine Ausstellung in der Englischen Kirche in Bad Homburg, die im Folgejahr das realisierte Projekt präsentiert.

In seiner Arbeit „Die im Dunkeln sieht man nicht.“ richtet Markus Seibel den Blick auf den Bundestagswahlkreis Duisburg II, der zuletzt mit 73,4 Prozent die niedrigste Wahlbeteiligung bundesweit verzeichnete. Duisburg vereint den größten Binnenhafen der Welt, eine Universität als Innovationsmotor für die junge Generation und Europas größten Stahlstandort. Innerhalb der Stadt zeigen sich jedoch deutliche Brüche: In Duisburg II prägen Arbeitslosigkeit, Armut und Leerstand ganze Straßenzüge, der angekündigte Abbau tausender Industriearbeitsplätze verschärft die Unsicherheit zusätzlich.

Seibels Arbeit macht sichtbar, was Studien seit Jahren belegen: Soziale Ungleichheit spiegelt sich in politischer Ungleichheit. Wer ökonomisch unter Druck steht, beteiligt sich seltener am demokratischen Prozess – nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus der Erfahrung mangelnder Repräsentation. In mehreren Aufenthalten erkundet Seibel unterschiedliche Routen durch die Stadt und dokumentiert den Strukturwandel fotografisch wie filmisch. Aufnahmen verlassener Orte verbindet er mit Gesprächen mit Bewohnerinnen und Bewohnern. Die Arbeit fragt nach den Ursachen wachsender Distanz zwischen Lebensrealitäten und politischer Vertretung – und nach den Folgen für eine Demokratie, die formale Gleichheit verspricht, während soziale Unterschiede zunehmend sichtbar werden. Der Ausstellungsort Bad Homburg, augenzwinkernd als „Stadt mit Champagnerluft“ bezeichnet, bildet dabei einen stillen Kontrast zu Duisburg und wird selbst zum Bestandteil der Ausstellung.

Die von der Architektin Annemarie Weidmann noch zu Lebzeiten gegründete Stiftung fördert mit dem jährlich vergebenen Preis ein noch zu realisierendes Projekt im Medium Fotografie. Voraussetzung ist eine überzeugende, konzeptionell durchdachte Werk- und Projektvorstellung. Der Jury gehören Sabine Schirdewahn (RAY Fotografie-Triennale) sowie René Koch und Sascha Mintkiewicz seitens der Stiftung an.

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